Installationen

INSTALLATION

Bei meinen Installationen verwerte ich sehr gerne Dinge, die sonst weggeworfen werden würden. Zum einen ist mir der Gedanke der Nachhaltigkeit wichtig, zum anderen kommen mir die besten Ideen, wenn ich am Sperrmüll anderer Menschen oder Schrotthaufen vorbeilaufe, herrenlose Radkappen seit Wochen irgendwo liegen sehe, Massen an Datenträgern wie Schallplatten oder CDs den neuen Medien weichen müssen, Umverpackungen von Lebensmitteln eine tolle Form haben usw. Und dann habe ich so viele Themen, die in mir brodeln und dringend nach außen wollen, wo sie oft auch hingehören, denn es geht meist um uns Menschen - und deshalb müssen wir Menschen sie auch sehen. Deshalb kann ich auch kaum klein arbeiten, weil die Dinge Raum brauchen und sich diesen Raum in Form von Rauminstallationen dann holen. 

 

"VERLORENE WORTE"


Installation
Mixed Media
H: 260 cm B: 375 cm T: 230 cm
2025


„VERLORENE WORTE“ entspringt der Beobachtung, dass sich die Welt zunehmend zu einer „Weghörgesellschaft“ entwickelt und bedient sich des Sprichwortes „Auf taube Ohren predigen“ für die visuelle Umsetzung.
Diese Thematik beginnt im Kleinen, bei jedem Individuum, ganz bei sich. Die Einen sind kaum noch in der Lage, ihre innere Stimme wahrzunehmen und auf die Signale Ihres eigenen Körpers, des Geistes und Ihrer Seele zu hören. Die Anderen, hochgradig egozentriert, hören neben ihren eigenen Bedürfnissen nichts mehr, nicht einmal die Schreie derer, deren Grenzen sie damit deutlich und ständig überschreiten. Und auch in der breiten Mitte hört niemand mehr so richtig zu, nicht mehr hin, bei den leisen Tönen.
Es gehen unwiederbringlich ganze Familienschätze verloren, weil man nicht mehr zuhört, gemeinsam gesungene Kinderlieder eintauscht gegen gestreamte Songs aus der Retorte oder quietschenden Kunstfiguren auf dem Tablet folgt, sich Kochrezepte lieber im Internet anschaut, statt sich diese beim gemeinsamen Tun erklären zu lassen, aufgestellten Regeln des Miteinanders keine Bedeutung mehr beimisst und keinen Erzählungen mehr lauscht.
Aus den nicht gehörten Geschichten, werden nicht erzählte Geschichten, die sich niemand mehr anhören kann.
Gesamtgesellschaftlich verschwindet auf diese Weise auch kulturelles und historisches Wissen, wird Wahrheit relativiert, verdreht oder abgelehnt, das Hören auf dem sensiblen Ohr abgeschaltet.
Jedes ignorierte NEIN, jeder überhörte Hilferuf - Unsere Kommunikation am Boden, zerschellt am Desinteresse der Menschen - für immer verlorene Worte, Zeichen einer bröckelnden Verbindung in jeder Hinsicht.

 

 

"EINS"

Installation
Mixed Media (Schallplatten aus Schellack und Vinyl, Holz)
H: 270 cm B: 110 cm T: 85 cm
2024 – 2025


„EINS“ ist inspiriert von Picassos Ideen zu einem anthropomorphen Musikinstrument und kombiniert mit Goethes Gedanken zum Ginkgo biloba. Es geht der Frage nach, ob aus der innigen Verbindung zweier Menschen eine neue Lebensform entsteht, die ein Leben lang eine gemeinsame Melodie spielt oder ob es sich hier um eine romantisch verklärte Vorstellung handelt.
Dieser Kontrabass, bestehend aus zwei menschlichen Körpern, ist Sinnbild besagter Verbindung. Nur durch das Links und das Rechts formt sich eine Mitte, aus der etwas Neues entspringen kann, nur durch das Zusammenspiel der beiden Hälften wird der große Streich gelingen, nur durch Beide entstehen die Töne und die vielen Halbtöne dazwischen – die leisen und die ganz lauten. Ist es nun, so Goethe, „ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt, sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als Eines kennt?“ Erwächst aus dieser Symbiose möglicherweise eine neue und ganz eigene Identität? Ist es tatsächlich möglich, dass zwei Seelen lebenslang eine Harmonie spielen oder ist es eine immanente Zerreißprobe, weil die Teile doch am Ende eigenständige Individuen bleiben und sind sie dies tatsächlich noch bei all den Kompromissen? Zweistimmiger Einklang – Einstimmiger Zweiklang - Ist der Gleichklang nur ein Wunsch, ein Konstrukt des Intendanten und des Dirigenten zum Wohle des Orchesters? Kann eine hohe Trennungsrate möglicherweise als ein Indiz für ein verstimmtes Instrument, z.B. der Ehe, verstanden werden? Braucht es möglicherweise mehr gemeinsame musikalische Übungseinheiten, eine neue Partitur, mehr Geduld oder vielmehr eine bessere Materialauswahl beim Bau des Basses? Werden beim Bruch aus den beiden Hälften jemals eigenständige und funktionsfähige Solo-Instrumente oder nur Ersatzteile für die Zweitbesetzung? Und was passiert eigentlich, wenn ein Teil dieser Einheit einmal stirbt?
Die Fusion dieser beiden künstlerischer Ansätze zeigt beinahe philosophisch die Brisanz einer Thematik auf, der sich unzählige Instrumenten-Stimmer und Paar-Therapeuten täglich widmen.
„Solche Frage zu erwidern fand ich wohl den rechten Sinn. Fühlst du nicht an meinen Liedern, dass ich Eins und doppelt bin.“ (Goethe, 1815). Und so bleiben die Antworten auf all diese Fragen offen, ein Geheimnis, ein Mythos - EINS.

 

 

"MOMENTE DES SEINS"

Audio-Installation
Alabaster rosa und schwarz, Lindenholz
H: 70 cm B: 66 cm T: 36 cm
2024 – 2025


„MOMENTE DES SEINS“ fängt einen besonderen Augenblick ein in der ursprünglichsten und innigsten menschlichen Verbindung überhaupt, die zwischen einer Mutter und ihrem ungeborenen Kind, Abbild einer Liebe, für die es keine Worte gibt, großes Glück und freudige Erwartung.
Aber nur kurz, denn der Ton verändert sich und das verändert alles.

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